Weihnachten und Neujahr in Deutschland und Großbritannien

Deutschland: Vom bescheidenen Heiligabend bis zur königlichen Gans

Weihnachten in Deutschland ist ein Fest der Sinne. Die Vorbereitungen beginnen bereits vier Wochen vorher mit dem Advent, wenn die Kerzen angezündet werden und die Küchen sich in kleine Backstuben verwandeln.

Heiligabend: Warum gibt es Kartoffelsalat?

Viele Besucher wundern sich, dass am 24. Dezember, dem wichtigsten Abend des Jahres, oft kein luxuriöses Menü aufgetischt wird. Das traditionelle Gericht dieses Abends ist Kartoffelsalat mit Würstchen.

Dies ist eine Hommage an die historische Bescheidenheit und erinnert an die Zeiten, in denen bis zur Christmette gefastet wurde. Zudem ist es praktisch: Die Familien sind mit dem Schmücken des Baumes und dem Kirchgang beschäftigt, sodass das Abendessen unkompliziert sein soll. Doch schon am nächsten Tag, dem 25. Dezember, beginnt das eigentliche Schlemmen.

Die Weihnachtsgans – Die Krönung der Tafel

Der Star des festlichen Mittagessens ist die Weihnachtsgans. Sie wird klassisch mit Äpfeln, Kastanien, Zwiebeln und Beifuß gefüllt. Eine perfekte Gans hat eine knusprige, goldbraune Haut und zartes Fleisch.

  • Die Beilagen: Traditionell werden dazu Rotkohl (mit Äpfeln verfeinert) und große Kartoffelklöße serviert, die die reichhaltige Bratensauce perfekt aufnehmen.
  • Alternativen: In einigen Regionen, besonders im Süden oder Osten, sind auch Karpfen blau oder Wildgerichte wie Rehbraten sehr beliebt.

Backkunst, die Legenden schreibt

Deutschland ist die Heimat der weltweit bekanntesten Weihnachtssüßigkeiten:

  1. Christstollen: Ein schweres Hefebrot mit Orangeat, Zitronat, Mandeln und Rosinen, das dick mit Puderzucker bestäubt wird. Seine Form symbolisiert das in Windeln gewickelte Christkind. Der Dresdner Christstollen ist dabei das Maß aller Dinge.
  2. Lebkuchen: Ob als Elisenlebkuchen oder in Herzform – die Gewürzmischung aus Zimt, Nelken und Kardamom ist der Inbegriff von Weihnachten.

Großbritannien: Truthahn, Cracker und die Magie des Feuers

Ein britisches Weihnachtsfest wirkt oft wie aus einem Roman von Charles Dickens. Hier ist das Essen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern ein streng gehütetes Ritual.

Das Christmas Dinner

Im Gegensatz zu Deutschland ist in Großbritannien der 25. Dezember der Hauptfeiertag. Gegen Mittag versammelt sich die Familie am Tisch, der mit Christmas Crackern (Knallbonbons) geschmückt ist.

  • Der Truthahn (Roast Turkey): Diese Tradition löste im 16. Jahrhundert die Gans ab. Der Truthahn wird mit einer „Stuffing“ (Füllung aus Semmelbröseln und Kräutern) serviert.
  • Beliebte Beilagen: * Pigs in Blankets: Kleine Würstchen, die fest in Speck eingewickelt sind – für viele Briten das absolute Highlight.
    • Brussels Sprouts: Rosenkohl, den die Briten entweder leidenschaftlich lieben oder hassen, der aber auf keinem Tisch fehlen darf.
    • Roast Potatoes: In Gänsefett geröstete Kartoffeln, die außen perfekt knusprig sind.

Der krönende Abschluss: Christmas Pudding

Der Christmas Pudding ist mehr als nur ein Dessert; er ist eine Geduldsprobe. Er wird oft Wochen oder Monate im Voraus zubereitet und mit reichlich Alkohol getränkt. Vor dem Servieren wird der Pudding mit Brandy übergossen und flambiert. Es gilt als Glücksbringer, eine silberne Münze in seinem Stück zu finden.

Nicht zu vergessen sind die Mince Pies – kleine Mürbeteigtörtchen, die mit einer Mischung aus Trockenfrüchten, Gewürzen und Gelee (dem sogenannten „Minced Meat“, das heute kein Fleisch mehr enthält) gefüllt sind.

Silvester: Bleigießen gegen Hogmanay

Während Weihnachten der Familie gehört, ist Silvester die Zeit für Partys und Glückssymbole.

Deutschland: Silvesterkarpfen und Berliner

Am 31. Dezember lieben die Deutschen Gerichte, die gesellig sind:

  • Raclette und Fondue: Diese Mahlzeiten dauern Stunden. Man schmilzt Käse oder gart Fleisch in Brühe, während man das Jahr Revue passieren lässt.
  • Berliner (Pfannkuchen): Das traditionelle Gebäck für die Silvesternacht. Ein beliebter Scherz ist es, einen der Berliner mit Senf statt Marmelade zu füllen. Wer ihn erwischt, hat im neuen Jahr angeblich besonders viel „Spaß“.
  • Glücksschweine: Kleine Schweinchen aus Marzipan werden verschenkt, um Wohlstand und Glück für die nächsten 365 Tage zu sichern.

Großbritannien: Hogmanay und „First Footing“

In England wird oft mit Feuerwerk gefeiert, aber die beeindruckendsten Traditionen findet man in Schottland, wo das Fest Hogmanay heißt.

  • Haggis: Das schottische Nationalgericht (Schafsmagen gefüllt mit Innereien und Haferflocken) steht oft im Mittelpunkt.
  • Steak Pie: Viele Briten essen am Neujahrstag eine herzhafte Fleischpastete, um die Lebensgeister nach der Partynacht zu wecken.
  • First Footing: Die Tradition, dass die erste Person, die nach Mitternacht die Schwelle des Hauses übertritt, Glück bringt (idealerweise ein dunkelhaariger Mann mit Kohle oder Whisky im Gepäck).

Vergleichstabelle: Deutschland vs. Großbritannien

MerkmalDeutschlandGroßbritannien
HauptgerichtWeihnachtsgansGebratener Truthahn
Beilagen-FavoritRotkohl & KlößePigs in Blankets & Rosenkohl
SüßspeiseStollen & LebkuchenChristmas Pudding & Mince Pies
BescherungAbend des 24. DezemberMorgen des 25. Dezember
Silvester-HitRaclette & BerlinerWhisky & Steak Pie

Tipps für die Festtagsküche: Die Geheimnisse der Profis

Wenn Sie diese Klassiker zu Hause nachkochen möchten, achten Sie auf die Details:

  1. Für die Gans (Deutschland): Verwenden Sie reichlich Beifuß. Dieses Kraut ist in der deutschen Küche unverzichtbar, da es hilft, das Fett der Gans besser zu verdauen.
  2. Für den Truthahn (UK): Das Geheimnis ist die Feuchtigkeit. Legen Sie Kräuterbutter unter die Haut der Brust, damit das Fleisch beim langen Braten nicht austrocknet.
  3. Das Getränk: Ein echter Glühwein braucht Zeit zum Ziehen (aber darf niemals kochen!). In Großbritannien ist ein Glas Sherry oder Eggnog (Eierpunsch) der ideale Begleiter.

Die Weihnachtstraditionen in Deutschland und Großbritannien sind ein Spiegelbild ihrer Kulturen. Der deutsche Tisch steht für Beständigkeit, die Wärme von Gewürzen und jahrhundertealte Backtradition. Der britische Tisch ist geprägt von einer gewissen Theatralik, der Treue zur Krone und herzhaften Klassikern.

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