Englische und deutsche Schriftsteller des 17.–18

Wenn Sie jemals versucht haben, sich das 17.–18. Jahrhundert vorzustellen, kommen wahrscheinlich Bilder von Kriegen, Palästen und langen, ernsten Abhandlungen in den Sinn. Aber es gibt auch eine andere Seite — die menschliche. Die Schriftsteller, über die wir sprechen werden, scheinen mit uns über die Jahrhunderte zu sprechen und versuchen zu verstehen: Wer sind wir, warum leben wir und was bedeutet es, ein Mensch zu sein?

Sowohl englische als auch deutsche Autoren jener Zeit versuchten, nicht nur Ereignisse, sondern auch Gefühle zu vermitteln — Angst, Freude, Zweifel und die Freude an kleinen Entdeckungen. Ihre Werke kann man als Tagebücher der Seele lesen oder als Reflexionen über die Welt, die auch heute noch relevant sind.


England im 17. Jahrhundert: Gedanken über Leben, Liebe und Zweifel

Das 17. Jahrhundert in England war eine Zeit intensiven und leidenschaftlichen Lebens. Bürgerkriege, religiöse Konflikte, Machtwechsel — all dies hinterließ Spuren in der Literatur. Interessanterweise interessierten sich die Schriftsteller jener Zeit mehr für den Menschen, für sein inneres Leben, als für die Politik.

Metaphysische Poesie: Ein Blick nach innen

John Donne (1572–1631) schrieb Gedichte, die sich fast wie persönliche Briefe anfühlen. Sie enthalten Philosophie, Emotionen und Fragen, die wir uns selbst in stillen Nächten stellen. Manchmal möchte man einfach an einer einzigen Zeile innehalten und denken: „Ja, er schreibt auch über meine Gedanken.“

Andrew Marvell (1621–1678) machte Ähnliches, fügte jedoch feine Ironie und einen gesellschaftlichen Blickwinkel hinzu: Freiheit, Macht, Gerechtigkeit — er reflektierte über Themen, die jeden Menschen seiner Zeit beschäftigten. So war Poesie nicht nur schöner Text, sondern echte Lebensweisheit.

Drama: Helden, die unter uns leben

Ben Jonson und Christopher Marlowe schufen Stücke, in denen jede Figur wie ein echter Mensch wirkt. Sie machen Fehler, suchen Antworten auf ihre Fragen, erleben Liebe und Enttäuschung. Beim Lesen scheint es, als könnten diese Menschen direkt neben Ihnen wohnen.

Prosa und Philosophie: Gedanken, die die Perspektive verändern

Francis Bacon (1561–1626) versuchte zu verstehen, wie der Mensch denkt. Sein „Novum Organum“ ist keine trockene Theorie, sondern fast so, als würde der Autor Sie an die Hand nehmen und sagen: „Schau, so denken wir, und das können wir damit anfangen.“ Er lehrte uns, über das Denken nachzudenken — es klingt seltsam, ist aber sehr wichtig.


England im 18. Jahrhundert: Vernunft und Herz

Das 18. Jahrhundert brachte England die Aufklärung — eine Zeit, in der Literatur gleichzeitig lehrte, unterhielt und zum Nachdenken anregte.

Aufklärungsliteratur

Alexander Pope (1688–1744) konnte über menschliche Schwächen lachen, und zwar auf eine Weise, die nicht verletzend, sondern klug war und die Absurditäten des Lebens hervorhob.

Daniel Defoe (1660–1731), Autor von „Robinson Crusoe“, schrieb über einen Menschen, der allein mit der Natur konfrontiert ist. Aber es geht nicht nur um das Abenteuer — es geht darum, wie der Mensch lernt zu leben, mit Einsamkeit umzugehen, Sinn zu finden und seine Menschlichkeit zu bewahren.

Sentimentaler Roman

Samuel Richardson (1689–1761) schrieb über die Gefühle und inneren Erfahrungen seiner Charaktere. Seine Bücher lassen die Leser mitfühlen, sich freuen und mit den Figuren mitfiebern. Dies ist Literatur über das menschliche Herz, seine Schwächen und seine Stärke.


Deutschland im 17. Jahrhundert: Barock und die Suche nach Harmonie

In Deutschland dominierte im 17. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg, und Literatur wurde zu einem Mittel, sich selbst und die Welt zu verstehen. Die barocke Literatur spiegelte das Chaos der Epoche wider, doch in ihren Werken wurde immer nach Schönheit und Sinn gesucht.

Poesie

Andreas Gryphius und Paul Fleming schrieben Gedichte über Leben, Tod, Glauben und Schicksal. Ihre Texte lehren uns, Wichtiges im Alltag wahrzunehmen und kleine Momente zu schätzen.

Dramaturgie

Johann Friedrich Fosch und Simon Ockeghem stellten Menschen mit all ihren Zweifeln und Ängsten auf die Bühne. Es waren nicht nur Aufführungen, sondern kleine Lektionen in Menschlichkeit.


Deutschland im 18. Jahrhundert: Vernunft, Herz und Philosophie

Das 18. Jahrhundert war die Zeit der Aufklärung in Deutschland. Literatur verband Reflexionen über Moral, Vernunft und menschliche Gefühle.

Lessing

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) schrieb Dramen, die lehren, gleichzeitig zu denken und zu fühlen. Sein „Minna von Barnhelm“ zeigt, dass Menschsein bedeutet, Antworten zu suchen, zu zweifeln und andere zu verstehen.

Jean Paul

Jean Paul (1763–1825) schrieb über die innere Welt des Menschen — seine Freuden, Ängste und Entdeckungen. Seine Werke lesen sich wie ein Gespräch mit einem Freund, der versucht zu erklären, was es heißt zu leben.

Goethe

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) zeigte in seinen frühen Werken, wie wichtig es ist, sich selbst und andere zu beobachten, über Liebe, Schicksal und menschliche Natur nachzudenken. Seine Bücher wirken bis heute lebendig, weil sie über Menschen und für Menschen geschrieben sind.


England und Deutschland: unterschiedliche Wege zum Menschen

Trotz der Unterschiede in Geschichte und Kultur teilen englische und deutsche Literatur einen Fokus: die Aufmerksamkeit für den Menschen, seine Gedanken und Gefühle. Englische Autoren konzentrierten sich oft auf individuelle Erfahrungen und Gesellschaftskritik, deutsche auf Philosophie, Harmonie und den Sinn des Lebens. In beiden Fällen begegnen wir Menschen mit all ihren Zweifeln, Freuden und Ängsten.


Fazit

Wenn man Donne, Lessing, Goethe oder Richardson liest, erkennt man das Wesentliche: Literatur ist ein Gespräch über die Jahrhunderte hinweg. Schriftsteller teilen ihre Gedanken, Gefühle und Zweifel mit uns. Sie lehren uns, aufmerksam gegenüber uns selbst und anderen zu sein, zu lieben, zu reflektieren und Sinn zu suchen. Deshalb bleiben die Bücher des 17.–18. Jahrhunderts auch heute lebendig.

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